Streitpunkt Kostenvoranschlag

Was Handwerker unbedingt wissen müssen

18.01.2010 Mit fast einer Million Betrieben bildet das Handwerk einen der Grundpfeiler des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Dass die Zeiten jedoch alles andere als einfach sind, merken besonders die kleineren und Kleinstbetriebe immer stärker.
Zwar zählen für viele Verbraucher Werte wie Qualität, persönliche Betreuung und Zuverlässigkeit, wenn sie sich gegen Dienst-
leistungen "von der Stange" und
für "die Meister" entscheiden.

Geht es allerdings um die Kosten, regiert auch hier die Schnäppchen-Mentalität - schließlich ist ein Kostenvoranschlag doch kostenlos - und die veranschlagte Summe bis aufs Komma verbindlich. Oder etwa nicht?

Welcher Handwerker kennt das nicht? Um sich für ein Angebot entscheiden zu können, hat ein potentieller Auftraggeber einen detaillierten Kostenvoranschlag verlangt. Also werden Materialkosten verglichen, nötige Arbeitsschritte geplant und voraussichtliche Personalkosten kalkuliert. Doch welche Angaben muss ein korrekter Kostenvoranschlag enthalten?

"Da der Kostenvoranschlag in der Regel die Grundlage für den späteren Werkvertrag und somit auch für die Abschlussrechnung bildet, sollte er so detailliert wie möglich ausgeführt werden", rät die Juristin Anne Kronzucker von der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Neben einer genauen Beschreibung der zu verrichtenden Arbeiten nach Art und Umfang und der voraussichtlich benötigten Arbeitszeit sollten auch Materialkosten oder die auszuweisende Mehrwertsteuer nicht fehlen. Zudem gehören anfallende Spesen und Fahrtkosten ebenso in einen Kostenvoranschlag wie die genaue Firmenbezeichnung, die Firmenanschrift, das Erstellungsdatum und das Datum, bis zu dem das Angebot seine Gültigkeit behält.

Ist ein Kostenvoranschlag immer kostenlos?

Nicht selten investiert ein Unternehmer viel Zeit und Mühe, alle relevanten Angaben und Werte für einen umfassenden Kostenvoranschlag zusammenzutragen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn es nicht zum Auftrag kommt und stattdessen ein Konkurrent den Zuschlag erhält. Beispielsweise kann es sich ein selbständiger Elektroinstallateur, der zum Erstellen eines Kostenvoranschlags über die Reparatur einer Waschmaschine anreisen und das Problem oft erst zeitaufwendig identifizieren muss, schlicht nicht leisten, diesen Aufwand allein in der Hoffnung auf einen Auftrag zu erbringen.

Je nach Kalkulationsaufwand haben Handwerker oder Gewerbetreibende daher oft keine andere Chance, als den Kostenvoranschlag oder wenigstens die Anreise in Rechnung zu stellen - der Betrag wird dann bei Auftragserteilung meist mit der Auftragssumme verrechnet.

"Zwar sind Kostenvoranschläge nach § 632 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) im Zweifel kostenlos", erklärt die D.A.S. Juristin. "Mit ,im Zweifel' meint der Gesetzgeber aber, dass auch andere Vereinbarungen getroffen werden können. Um spätere Irritationen auf beiden Seiten zu vermeiden, muss der Handwerker auf die Kostentragungspflicht aber bereits vor Auftragserteilung aufmerksam machen!"

Wie verbindlich ist ein Kostenvoranschlag?

Trotz sorgfältiger Planung passiert es immer wieder, dass die in der Praxis angefallenen Aufwendungen am Ende die gewissenhaft erarbeitete Kostenschätzung übersteigen. Das eigentliche Problem ist dabei nicht die Überschreitung an sich, sondern vielmehr der Umfang, in dem sich der angebotene Preis verteuert hat. Denn dem Kunden erwächst aus einer übermäßigen Kostenzunahme ein Sonderkündigungsrecht. Macht er davon Gebrauch, kann der Unternehmer nur den Teil der Leistung in Rechnung stellen, den er tatsächlich erbracht hat (§§ 650, 645 BGB). Sollte es der Auftragnehmer zudem versäumt haben, seinen Auftraggeber frühzeitig über eine sich abzeichnende Kostenexplosion zu informieren, kann der Kunde unter Umständen sogar Schadenersatz fordern.

"Da ein Kostenvoranschlag bei Auftragserteilung Vertragsgrundlage wird, empfiehlt es sich, ausschließlich realistische Angaben zu machen und nicht über dem eigenen Limit zu pokern", lautet der eindeutige Rat der D.A.S. Expertin.



Urteil zum Kostenvoranschlag

Preiserhöhung um 10 Prozent

Eine Kundin hatte auf Basis eines Kostenvoranschlags (KV) eine Fensterfirma beauftragt. Die Schlussrechnung war um 2.400 Euro teurer als der Preis laut KV von 27.100 Euro. Die Kundin bezahlte nur den KV-Preis.

Das Landgericht Coburg entschied, dass die Endrechnung eines Bauunternehmers durchaus um rund zehn Prozent höher sein darf, als im Kostenvoranschlag vorgesehen; ein Schadenersatzanspruch des Kunden besteht nicht. Daher musste die Kundin der Fensterfirma den Restbetrag nachzahlen. Landgericht Coburg, Urteil vom 20.05.2009, Az. 12 O 81/09

Mehr Infos zum Urteil:
http://www.justiz.bayern.de/gericht/lg/co/presse/archiv/2009/02126/

 


Gesetzliche Grundlagen:
§ 650 BGB Kostenanschlag


(1) Ist dem Vertrag ein Kostenanschlag zugrunde gelegt worden, ohne dass der Unternehmer die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernommen hat, und ergibt sich, dass das Werk nicht ohne eine wesentliche Überschreitung des Anschlags ausführbar ist, so steht dem Unternehmer, wenn der Besteller den Vertrag aus diesem Grund kündigt, nur der im § 645 Abs. 1 bestimmte Anspruch zu.

(2) Ist eine solche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, so hat der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen.

§ 632 BGB Vergütung
(3) Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.


Zuletzt aktualisiert am 18.01.2010

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