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07.04.2011

Online am Pranger

Cyber-Mobbing - was kann ich tun, wenn es mich trifft?




Immer mehr Menschen in Deutschland erleben schieren Psychoterror, sobald sie ihren Computer einschalten: Obszönes auf der öffentlichen Pinnwand, Lügen im sozialen Netzwerk, Demütigungen im E-Mail-Eingang. Die Anonymität im Internet macht es den Tätern leicht, ihre Opfer fertig zu machen. Besonders häufig trifft es Kinder und Jugendliche - oft mit verheerenden Folgen. Doch auch die virtuelle Welt ist kein rechtsfreier Raum: Wie man sich gegen Cyber-Mobbing wehren kann, erklärt die D.A.S. Rechtsschutzversicherung.




Vor allem für Kinder und Jugendliche spielt sich das Leben zu einem großen Teil im Internet ab. Soziale Netzwerke wie Facebook, SchülerVZ oder Knuddels werden von Millionen von Teenagern genutzt. Sie chatten mit ihren Freunden, laden Fotos von Urlauben und Parties hoch und zählen ihre Lieblings-Popstars auf. Doch damit ist eine alarmierende Entwicklung in Gang gekommen: Das Mobbing unter Schülern verlagert sich zunehmend in den virtuellen Raum. Mittlerweile hat jeder vierte Jugendliche in Deutschland schon einmal miterlebt, dass jemand aus seinem Freundeskreis online fertig gemacht worden ist.

"Beim so genannten Cyber-Mobbing werden die Opfer über E-Mails, Chats, in Internet-Foren oder über das Handy bedroht, beleidigt und bloß gestellt" erläutert die D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Freilich ist es nichts Neues, dass einzelne Schüler zur Zielscheibe systematischer Angriffe werden. Doch das, was sich früher auf dem Pausenhof abspielte, kann virtuell noch viel extremere Züge entfalten: In der scheinbaren Anonymität des Internet verlieren die Täter leicht alle Hemmungen. Und ist ein Handyfilm mit beleidigendem oder peinlichen Inhalt erst einmal im Internet veröffentlicht - etwa bei YouTube - ist er kaum jemals wieder daraus zu entfernen und kann noch jahrelang Schaden anrichten.

Mobber mit einem Klick sperren

Treffen kann Cyber-Mobbing im Grunde jeden, der sich im Internet bewegt. Doch wer ein paar Grundregeln befolgt, verringert zumindest sein Risiko: Wichtig ist, das Profil mit den Privatsphäreeinstellungen zu schützen, so dass Fotos und persönliche Daten wie die Handynummer nur für Freunde sichtbar sind. Sonst können die Informationen allzu leicht in falsche Hände geraten. Auch bei Kontaktanfragen sollte man wählerisch sein: Es empfiehlt sich, nur Freunde zu akzeptieren, die man persönlich kennt. Sobald es zu Belästigungen kommt, muss gehandelt werden: In den meisten Netzwerken lassen sich unangenehme Kontakte mit einem Klick sperren. Damit ist sichergestellt, dass die Mobber keine Beleidigungen mehr auf dem Profil hinterlassen können. "Man sollte auch nicht zögern, den Täter beim Betreiber der Website zu melden", erklärt die D.A.S. Dagegen sei unbedingt davon abzuraten, auf die Diffamierungen zu antworten: "Sonst wird das Mobbing nur noch schlimmer: Die Täter lauern auf Reaktionen und werden sich davon bestärkt fühlen."

Wenn üble Scherze eskalieren

Screenshots als Beweis

In den meisten Chaträumen und Foren benutzen die Mitglieder nicht ihre eigenen Namen, sondern Pseudonyme. Das ist ein Grund, warum Mobbing im Internet so verbreitet ist: Während sie andere öffentlich erniedrigen, fühlen sich die Täter im Schutz der Anonymität sicher. "Diese Annahme ist jedoch schlichtweg falsch", so die D.A.S. Versicherung. "Es ist möglich, jeden Rechner, der ins Internet geht, über die so genannte IP-Adresse zu identifizieren.

"Opfern von Mobbing-Kampagnen rät die D.A.S., sich Hilfe zu suchen - in Schulen etwa beim Vertrauenslehrer oder Tutor, bei Eltern und Freunden, aber auch bei den Betreibern des jeweiligen sozialen Netzwerks oder Mobilfunknetzes: "Man sollte sich umgehend schriftlich an den jeweiligen Anbieter wenden, um alle unerwünschten Fotos und Videos von sich entfernen zu lassen." Der Anbieter muss dem schon aus urheberrechtlichen Gründen nachkommen: Jeder Fotografierte hat ein "Recht am eigenen Bild" (§ 22 Kunsturheberrechts-Gesetz) und kann dessen Veröffentlichung meist untersagen.

Auch in Internetforen kann die Löschung beleidigender Inhalte verlangt werden. In besonders schweren Fällen ist die Polizei der richtige Ansprechpartner. Hilfreich ist, die Beweise zu sichern, sobald sich das Problem abzeichnet. "Von allen Nachrichten, Bildern oder Chatverläufen sollten Kopien abgespeichert werden", betonen die D.A.S. Juristen. Mit einem Screenshot kann man das festhalten, was der Bildschirm gerade anzeigt: Dazu betätigt man die "Druck"-Taste, öffnet mit Word oder Paint ein Dokument und drückt die Tastenkombination "Strg" und "V". Wichtig zu wissen für Betroffene: Sie brauchen Cyber-Mobbing nicht hinzunehmen, denn das Internet ist alles andere als ein rechtsfreier Raum!

Zuletzt aktualisiert am 08.04.2011

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