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Mobbing in der Schule

... Terror auf dem Schulhof
Sich selbst zu ärgern, macht Spaß. Andere zu ärgern, macht glücklich.
(Li Tai Po, chinesischer Dichter)
Der Begriff Mobbing ist relativ neu und stammt aus dem Englischen. To mob heißt so viel wie anpöbeln und bezeichnet böswilliges Verhalten, das allein darauf ausgerichtet ist, andere Menschen bewusst fertig zu machen. Von Mobbing in der Schule hört man immer wieder, wobei sich dieses böswillige Verhalten nicht unbedingt nur allein auf Mitschüler konzentrieren muss. Auch Eltern, Lehrer oder die Sekretärin können zum Zielobjekt werden.

Alltagssprachlich ausgedrückt bedeutet Mobbing, dass jemand fortgesetzt geärgert, schikaniert, in passiver Form als Kontaktverweigerung mehrheitlich gemieden oder in sonstiger Weise in seiner Würde verletzt wird.

Zu dem Bereicht des Mobbing gehört auch das sogenannte Bullying (engl. für tyrannisieren). Dieser Begriff wird insbesondere in Großbritannien und Irland als Synonym für Mobbing benutzt, wobei hier körperliche Gewalt oder deren Androhung eine wesentlichere Rolle als beim klassischen Mobbing einnehmen. Denn Mobbing wird normalerweise eher psychologisch als physisch betrieben.


Mobbing - Terror bis Schulschuss

Wirst du von deinen Mitschülern gemobbt, wenn man über dich lästert oder dumme Sprüche ablässt?
Nicht unbedingt! Aber wenn die Lästereien ausarten oder sich in konzentrierter Form nur auf dich richten, kann man schon von Mobbing sprechen.

Wichtig ist aber, zwischen harmlosen Streitereien und Mobbing zu unterscheiden. Wenn ein Schüler dich ab und zu hänselt, kann man noch nicht unbedingt von Mobbing sprechen. Bist du dagegen über einen längeren Zeitraum wiederholt Opfer von Schikanen und Gewalttätigkeiten, ist dieses Verhalten durchaus als Mobbing zu bewerten.

Ein konkretes Verhalten als Mobbing zu erkennen ist im allgemeinen sehr schwierig, da alle Arten der Ausgrenzungen unterschiedlich sind. Der Grad an Intensität und die Gemeinheiten können ebenfalls stark variieren.

Klassische Fälle von Mobbing sind beispielweise

  • unfaires Verhalten bei sportlichen Veranstaltungen
  • Unterschlagen und Geheimhalten von wichtigen Informationen
  • Beschädigen von Schulutensilien
  • Verstecken, Beschädigen und Zerstören von Gegenständen
  • Konsequente Ausgrenzung von Schülern und Schülerinnen aus der Klassengemeinschaft
  • Überfallen auf dem Schulweg verbunden mit körperlicher Gewalt und erpresserischer Tätigkeit
  • Ständiges Anrempeln und Schubsen während der Pause oder auf den Gängen
  • Beschießen mit Papierkügelchen
  • Verbreiten von Gerüchten oder Lästereien sowie unfreundliches und verletzendes Verhalten.

Man unterscheidet dabei

... direktes Mobbing

Generell sind damit Hänseleien, Drohen, Abwerten, Beschimpfen, Herabsetzen, Bloßstellen, Schikanieren oder Beleidigungen gemeint. Solche Schikanen werden oft auch als verbales Mobbing bezeichnet, das in Verbindung mit Schlagen, Stoßen und Treten auftreten kann.

... indirektes Mobbing

Diese Methoden sind weit aus subtiler und nicht offensichtlich. Hier werden z. B. Mitschüler bewusst ausgegrenzt oder deren Ruf wird nachhaltig geschädigt. Hierher gehört auch die Verbreitung von Gerüchten.

... Bullying

Erpressung, Nötigung, Sachbeschädigung oder Schläge sind Extremformen und werden unter dem Begriff Bullyingzusammenfasst.

Tipp!

Wenn Mobbing sich zu Bullying entwickelt, kann es sogar strafbar sein. Schüler sind mit Vollendung des 14. Lebensjahres strafmündig. Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung sind strafbare Handlungen. Vor einer Strafanzeige und der Einschaltung der Polizei solltest du dich jedoch unbedingt an deine Eltern, Lehrer oder die Schulleitung wenden. Vielleicht kann der Konflikt auch durch ein gemeinsames Gespräch mit dem Täter beigelegt werden.



Erscheinungsformen - oder wie man Mobbing erkennt

Deine Mitschüler können dich durch viele Verhaltensweisen ausgrenzen.
Angriffe können sich dabei beziehen auf

... dein Mitteilungsbedürfnis

So wird dir keine Gelegenheit gegeben dich mitzuteilen. Deine Gespräche werden z. B. unterbrochen, deine Leistungen stehen unter ständiger Kritik oder du wirst durch Telefonattacken terrorisiert.

... dein soziales Verhalten

So wird jegliche Kommunikation mit dir eingestellt und der Täter untersagt auch den restlichen Mitschülern Gespräche mit dir zu führen. Du wirst beispielsweise ignoriert und wie Luft behandelt.

... dein soziales Ansehen

Der Täter macht sich über dich lustig, verspottet dein Privatleben oder hänselt dich wegen deiner Nationalität oder Religionszugehörigkeit, deinem Aussehen, deiner Eltern, deinen schulischen Leistungen oder deine sportlichen Aktivitäten.

... deine Berufs- und Lebenssituation, insbesondere die Schule

Dein Aufgabengebiet wird z.B. deutlich verändert: entweder du erhältst sinnlose und kränkende Aufgaben zugeteilt oder gar keine mehr.

... deine Gesundheit

Auch das kann vorkommen. Du wirst gezwungen gesundheitsschädliche Aufgaben zu erledigen oder dir wird Gewalt angedroht. Teilweise kann es auch zu körperlichen Misshandlungen in Verbindung mit sexuellen Übergriffen kommen.

Forscher haben herausgefunden, dass

... Jungs

eher die offene und direkte Art der Aggression bevorzugen: Schlagen, Hauen, Schubsen oder Sachen wegnehmen stehen dann bei ihnen an der Tagesordnung. Nicht selten werden Opfer in den Klassenschrank geschlossen oder laufen häufig gegen schnell geschlossene Türen von anderen Mitschülern. Beliebt ist auch das Herumwerfen mit Schulranzen. Auch regelmäßiges Abknöpfen von Pausengeld kann zum Repertoire gehören.

... Mädels

wesentlich subtilere Formen der Beziehungsaggression anwenden. So wird beispielsweise über unbeliebte Mitschüler und Mitschülerinnen gezielt und wiederholt gelästert, zudem werden Gerüchte verbreitet und es wird fies getratscht. Opfer werden nicht mehr zu Partys und Geburtstagsfeiern eingeladen oder es wird versucht, die beste Freundin oder Freund auszuspannen.


Die maßgeblichen Akteure


Der Täter

Mobbing ist selten eine Attacke eines einzelnen Täters, sondern es handelt sich vielmehr um ein Gruppenphänomen.
Die Täter sind oft bekannt als aggressive Kinder und Jugendliche. Ziel des Schikanierens ist in der Regel ein stark ausgeprägtes Bedürfnis, andere zu dominieren. Hierbei geht es zumeist um den Missbrauch sozialer Macht. Potenzielle Täter sind oft nicht gerade beliebt aber sie haben oft ein verhältnismäßig starkes Selbstvertrauen und schaffen es die anderen Schüler davon zu überzeugen, das Opfer habe diese Behandlung verdient.

Die weiteren Beteiligten

Beim Mobbing haben die betroffenen und beteiligten Kinder oder Jugendliche meist eine klare Position bzw. die Beteiligten lassen sich charakterisieren in

... Aktive Unterstützer:

Es gibt die, die den Tätern hilfreich zur Seite stehen und auch selbst mal mittreten oder sich an Gewaltaktionen beteiligen.

... Passive Unterstützer:

Dann gibt es die Personengruppe, die die Täter verbal unterstützen. So heizen sie die Stimmung an oder feuern den Haupttäter bei seinen Aktionen an.

... Verteidiger:

Eine dritte Gruppe besteht aus (zumeisten besonders sozial veranlagte) Schülern, die die Opfer verteidigen. In den meisten Fällen ebbt dieses Verteidigungsverhalten allerdings relativ schnell ab.

... Outsider:

Diese Personengruppe hält sich normalerweise aus allem raus und sehen und hören nichts, da sie Angst vor dem Täter haben.

Das Opfer

Die Opfer können nach überwiegender Auffassung nicht auf bestimmte Persönlichkeiten zurückgeführt werden. Allerdings kann man die Gruppe der Opfer grob in zwei Typen aufteilen:

In das passive Opfer oder das provozierende Opfer.

So sind passive Opfer Schüler, die überaus ängstlich oder überangepasst sind oder ein sehr geringes Selbstbewusstsein haben. Oft sind diese Schüler empfindlich, vorsichtig und schweigsam und lehnen zumeist Gewalttätigkeit ab. Man geht davon aus, dass diese Opfertypen ihrer Umgebung signalisieren, dass sie Angst haben und es nicht wagen werden, sich gegen den Störenfried zu wehren.

Provozierende Opfer hingegen sind weitaus seltener. Deren Verhalten ist oft unkonzentriert, nervös und schafft Ärger sowie ein gespanntes Verhältnis, so dass es zu negativen Reaktionen im Umfeld, wie Mobbing-Attacken, kommen kann.

Auch die sozialen Unterschiede können ein Kind zu einem Mobbingopfer machen. So ist in den letzten Jahren die Altersschwelle im Hinblick auf das Markenbewusstsein stark gesunken. So ist es immer wichtiger Markenkleidung zu tragen. Diese Markenartikel sind oft sehr teuer, so dass sozial schwächere Schüler sich diese Luxusartikel nicht leisten können. Damit werden sie aber ebenfalls zu einer willkommenen Zielscheibe für Mobbingangriffe.


Wenn der Schulbesuch belastet

Die Auswirkungen des Mobbings sind für die Opfer oft nicht unerheblich. Der Schulbesuch entwickelt sich nicht selten zu einem fortwährenden Dauerstress und allein schon der Gedanke an die Schule verursacht bei den meisten Opfern Panikattacken und Schweißausbrüche.

Diese enorme Belastung zeigt sich mit zunehmender Dauer immer mehr. Auch die Opfer sind oftmals nicht in der Lage eine Vertrauensperson um Hilfe zu bitten.

Die Reaktionen auf die Belastungen sind sehr unterschiedlich. So reagieren viele Kinder mit körperlichen Symptomen. Andere leiden an seelische Schäden. Oft trifft beides zusammen.

Mobbingopfer

  • schwänzen häufig die Schule,
  • sinken stark in der Leistung ab,
  • haben auffallende Konzentrationsschwierigkeiten,
  • leiden an andauernder Nervosität,
  • haben Müdigkeit und Schlafstörungen,
  • sind permanent angespannt,
  • kommen ständig Zu-spät (um Begegnungen mit Mitschülern zu vermeiden),
  • sind plötzlich und unmotiviert aggressiv oder vermeiden oft Gruppenarbeit.


Hilfe gegen Mobbing


Hilfe in der Schule

Wenn du betroffen bist, solltest du dir keines Falls still und leise alles gefallen lassen. Scheue dich nicht, einer Person deines Vertrauens von der Sache zu erzählen. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Mitschüler, einen Lehrer, Vertrauenslehrer oder deine Eltern handelt. Oft merken Lehrer gar nicht, dass einzelne Schüler ausgegrenzt werden oder den Mittelpunkt von Hänseleien bilden, weil die Angriffe entweder in der Pause oder auf dem Schulweg stattfinden. Oft sind die Attacken nicht offensichtlich, so dass sie niemandem auffallen.

Tipp!

Informiere dich, wer in deiner Schule Vertrauenslehrer ist oder wende dich an einen anderen Lehrer deines Vertrauens!

Vielfach merken Lehrkräfte gar nicht, was in einer Klasse oder in der gesamten Schule vor sich geht. Beliebte Reaktionen sind dabei "an unserer Schule gibt es so etwas nicht" oder "so etwas ist doch harmlos". Hierbei handelt es sich jedoch um Ausreden: Mobbing existiert heute an jeder Schule. In Anbetracht der seelischen Schäden, die Opfer davontragen, kann es nicht als harmlos abqualifiziert werden. Und letztendlich führt es dazu, dass weder Opfer noch Täter sich mit dem beschäftigen, was sie eigentlich in der Schule tun sollen: nämlich Lernen.

Mögliche Maßnahmen

sind beispielsweise Gespräche in der Klasse mit allen Schülern oder Einzelgespräche mit Opfern und Tätern. An der Schule sollte Mobbing zum Thema gemacht werden. Dafür bieten sich Projekttage, Schulkonferenzen oder Elternabende an.

Und wenn streitlustige Schüler es anders nicht kapieren wollen, müssen Lehrer eben Erziehungs- oder Ordnungsmaßnahmen gegen sie verhängen oder die Eltern einschalten.

An manchen Schulen gibt es sogar so genannte Streitschlichtungsprogramme oder die Peer-Mediation, bei dem sich engagierte Schüler als Schlichter betätigen und versuchen, etwaige Konflikte zu lösen.


Beratungsstellen und Telefonseelsorge

Adressen von Beratungsstellen in verschiedenen Bundesländern findest du hier. Klick einfach das Bundesland an, in dem du wohnst.

Tipp!

Lässt sich das Problem innerhalb der Schule nicht lösen, gibt es Beratungsstellen, an die sich Mobbingopfer wenden können.


Bundesweite Telefonberatungsstellen

Der Bundeselternrat
Görrestr. 13
53113 Bonn
Tel. 0228 / 26 99 - 314/ -414
Fax 0228 / 26 99 - 424

Die Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche
Tel. 0800 - 111 03 33 (gebührenfrei)
Mo. - Fr. 14:30 - 19:30 Uhr

Das Elterntelefon
Tel. 0800 - 111 05 50 (gebührenfrei)
Mo. + Mi. 9 - 11 Uhr
Di. + Do. 17 - 19 Uhr

Der Kindernetzwerk e.V.
Tel. 06021 - 12030

Die Kinderschutzzentren
Tel. 0800 - 111 04 44 (gebührenfrei)

Die Telefonseelsorge der katholischen und katholischen und evangelischen Kirche
Tel. 0800 - 111 02 22 (katholisch) oder
0800 - 111 01 11 und 0800-1110222
(jeweils gebührenfrei)

Teens on Phone
Eine Initiative des Münchner Kinderschutzbundes
Hier werden Jugendliche von Jugendlichen beraten
... am Telefon unter 0800 - 111 0 333 , Sa. 15 - 19 Uhr
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Zuletzt aktualisiert am 25.09.2009

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