Ein Kampfhund ist ein Kampfhund ist ein Kampfhund...
Liebhaber ästhetischer Formen in Verbindung mit Athletik und Dynamik werden beim Anblick eines American Staffordshire Terriers in Euphorie verfallen. Passanten mit weniger ausgeprägtem Hang zu vierbeinigen Kraftpaketen blicken entweder mit Abscheu, Verachtung oder nervösem Magenzucken auf das, was im Volksmund die Bezeichnung "Kampfhund" trägt.
Bei einer Schulterhöhe von bis zu 48 Zentimetern bringt das Haustier zwischen 18 und 23 Kilo auf die Waage. Siedler aus England brachten es im 19. Jahrhundert in die USA. Schon die Ausstrahlung der körperlichen und emotionalen Stärke und Präsenz machten diese Rasse geeignet, die Rolle des Sicherheitschefs auf der Farm zu übernehmen und besonders Wölfe und Kojoten fernzuhalten. Und wer sich an die Fernsehserie "Die kleinen Strolche" erinnert, hat ein ausgesprochen fröhliches und kinderliebes Exemplar dieser Hunderasse vor sich.
Jüngste Presseberichte erzählen allerdings über Gräuel, die solche und ähnliche Tiere angerichtet haben. Expertenmeinungen zufolge sei Kampfhunden "ein Hang zum aggressiven Explodieren" angeboren, nicht anerzogen. Züchter und Halter fühlen sich diskriminiert und preisen das Produkt ihrer Züchtungskunst als natürlichen Wohnungsbewacher sowie als Beschützer und Spielgefährte der Kinder. Wegen seiner Kraft, Intelligenz und Mut, sei der American Staffordshire Terrier ein funktioneller Hund geblieben und nicht zum Ausstellungsstück mutiert. Seine einzigartige Tapferkeit beweise er bis heute täglich bei seiner Arbeit auf Farmen sowie als Familienhund zu Hause.
Hubert K. aus Z. ist davon ebenfalls überzeugt und leidet unter den Anfeindungen, wenn er mit "Charly" seinem American Staffordshire Terrier,
durch den Park wandert. Was aber niemand weiß: Charly ist krank. Herzkrank. Das war er auch schon, als ihm vor ein paar Monaten ein anderer Hund im Park begegnete. Bisher hatte er seine Artgenossen nicht zur Kenntnis genommen, wie es ihm während des Begleithunde-Kurses im Hundeverein beigebracht worden war. Charly ist nämlich seinem Herrn treu ergeben und stets darauf bedacht, ihm Schande zu ersparen. Womit ihn indessen der Mischlingshund der Dame aus dem Haus gegenüber beleidigte, kann Charly nicht sagen. Denn Charly kann nicht sprechen.
Eigentlich kann er auch nur hecheln und ist langen Spaziergängen abgeneigt. Denn Charly hat einen Herzfehler und muss deswegen regelmäßig tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Womit also der Nachbarshund Charly so in Rage versetzte, dass der sich in seinem Hals verbiss und nur abließ, als sein Herrchen ihm einen Holzprügel zwischen die Zähne schob, ist nicht geklärt.
Geklärt ist inzwischen, dass Charly auf richterlichen Beschluss einen Maulkorb zu tragen hat. Maulkörbe sind aber bei Hunden verhasst. Für Charly ist er gar lebensbedrohlich. Auch er kann damit weder schnüffeln, saufen oder hecheln. Aber er bekommt wegen seiner Herzkrankheit, die sich seit der Beißerei noch verschlimmert hat, einfach zu wenig Luft und gerät in Panik. Selbst ein tierärztliches Gutachten über Charlys gutartige Wesensart und die stark eingeschränkte Leistungsfähigkeit veranlassten die Richter nicht zum Nachgeben. Sie rieten dem Herrchen lediglich zu einem Maulkorb, " der den gesundheitlichen Risiken des Hundes angepasst ist.
Aus Solidarität zu seinem vierbeinigen Begleiter legte Hubert K. sich nach der Urteilsverkündung selbst einen Maulkorb an. Denn sein Knurren klang bereits gefährlich...
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.