... und findet Polin
Ein Leben in der Fremde ist nicht Jedermanns Sache. So empfand es auch Achilleas D., Grieche aus Leidenschaft und Überzeugung, als er Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sein Medizinstudium an einer deutschen Universität begann.
Ihm geneigte deutsche Fräuleins vermochten ihm keineswegs zu geben, wonach er verlangte. Nein, von einer Griechin träumte Achilleas, gerade so wie der türkische Lyriker Fazil Bey (1759 - 1810) sie besang:
"Welche Schönheit, welches verliebte Getue, welche Ziererei. Wie kokett können sie sich geben! Koketterie und Haltung bringt den Menschen in Glut. Sie versuchen alles, ihre Liebhaber zufrieden zustellen. Sie sind jedoch auch kapriziös".
1962 wurden die 200 Jahre alten lyrischen Visionen durch die Heirat mit der Griechin Melissa vor einem griechisch-orthodoxen Geistlichen in einer deutschen Stadt endlich Wirklichkeit. 27 Jahre später endeten sie als Ehe-Albtraum vor dem Scheidungsrichter mit Horror-Zahlungen an die Schöne.
Ob Göttervater Zeus in Achilleas nach dem Scheidungstermin Zweifel an der Gültigkeit der einstigen Ehe weckte, ist unbekannt. Tatsächlich wurde der griechisch-orthodoxe Geistliche erst 1964 von der deutschen Regierung zur Vornahme von Eheschließungen ermächtigt.
Die zuvor von ihm gesegneten Ehebünde - und somit auch der von Achilleas und Melissa waren ungültig, das ehemalige Liebespaar nicht verheiratet und somit höchst überflüssig und trotzdem rechtskräftig geschieden.
Wie einen Blitz vom Olymp schleuderte Achilleas eine Haftpflichtklage über 80 Tausend Euro gegen seinen Rechtsanwalt, weil der ihm nicht von der überflüssigen Ehescheidungsklage ab- und statt dessen zu einer Klage auf Nichtigkeit der Ehe geraten hatte. Bis zum deutschen Olymp der Gerechtigkeit in Karlsruhe führte der Rechtsstreit um Schadenersatz. Dort zürnten die Richter dem Rechtsanwalt und verurteilten ihn zu mehr als 80 Tausend Euro Schadenersatz. So viel hatte Achilleas bereits grundlos seiner Ex-Venus inzwischen gezahlt.
Das Fehlurteil des Scheidungsrichters indessen bleibt ungesühnt, weil es nur Schadenersatzansprüche nach sich zieht, wenn es auf einer Straftat beruht.
Achilleas ist inzwischen Deutscher und heiratet dem Vernehmen nach demnächst tatsächlich. "Eine auserlesene Schöne, deren Liebe groß und deren Größe hübsch ist. Geht sie umher, kann man seine Blicke nicht von ihr wenden, denn ihre Zunge ist süß und ihr reiner Körper besonders zart". 200 Jahre alte Lyrik von Fazil Bey für Achilleas Neue: Eine Polin.
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.