"Kann denn Liebe Sünde sein?", fragte einst Ufa-Star Zarah Leander. "Es kommt drauf an", sagt der Jurist.
"Ganz egal", denkt das Reh, weil es nichts sagen kann. Denn: Die Brunst- oder Brunftzeit, in der sich Paarhufer hemmungs- und bedenkenlos dem mit der Arterhaltung verbundenen Vergnügen hingeben, macht sie arglos für alle Gefahren - selbst für den Verkehr auf Landstraßen.
Spätestens seit Walt Disney 1942 mit seinem Zeichentrick-Epos "Bambi" auch hart Gesottene für das Leben in Wald und Flur sensibilisierte und den gemeinen Weißwedelhirsch nicht nur auf Speisekarten gesellschaftsfähig machte, ist eine angepasste Fahrweise das Gebot der Morgen- und Abendstunden.
"Lieber langsam als Wild" rät deswegen auch der Deutsche Jagdschutz-Verband motorisierten Zweibeinern. Spätestens wenn ihn das Verkehrszeichen vor "Wildwechsel" warnt, sollte der sensible Kraftfahrer den Fuß vom Gas nehmen, die Augen sorgfältig auf Wald- und Straßenränder richten und bremsbereit sein.
Denn verliebtes Wild ist mindestens ebenso unberechenbar, wie eifersüchtige Ehegatten:
In etwa 80 Prozent aller Fälle taucht das/der Unerwartete plötzlich und völlig überraschend 20 Meter und noch näher vor dem sich in Sicherheit wiegenden Verkehrs-Teilnehmer auf - wer da nicht vorbereitet ist, hat keine Chance, das Unvermeidliche abzuwenden.
Für Bambi und seine Artgenossen kann ein solches Liebesabenteuer mit einem schnellen Ableben enden. Für den automobilen Unfallpartner geht es zwar meist glimpflicher aus. Wenn er mit seinem Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 auf ein 20 Kilogramm schweres Reh trifft, entwickelt sich allerdings ein Aufschlaggewicht von gut einer Tonne. Abgesehen davon, dass ein so erlegtes Wildbret nicht als waidmännisch korrekt zur Strecke gebracht gilt, ist auch für die Autoinsassen ein solches Zusammentreffen nicht ungefährlich.
Wer das verendete Tier allerdings via Kofferraum der Verwertung in der heimischen Küche zuführen will statt sofort die Polizei von dem Unfall zu informieren, erfüllt den Straftatbestand der Wilderei. Und so hätte dann die Liebe doch etwas mit Sünde zu tun.
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.