Einer willensstark durchgehaltenen Diät hat es Michael H. aus B. zu verdanken, dass er sein Körpergewicht um etliche Kilogramm reduzieren konnte. Seine Freundin ist daraufhin zu ihm zurückgekehrt, sein Leben jetzt wieder eitel Sonnenschein.
Auf sein derzeitiges Gewicht bedacht, legt er auf ausreichende Bewegung größten Wert. Als Großstädter ist er allerdings von Naturwegen in Waldgebieten ausgeschlossen, weil er verständlicher Weise vor Arbeitsbeginn die 90 minütige Autofahrt in den nächsten Wald scheut. So ist er ab fünf Uhr in der Frühe auf Asphalt unterwegs. Dabei stören ihn auf seinem einsamen Lauf die vielen verkehrswidrig auf dem Gehweg abgestellten Autos.
In der ersten Zeit vergeudete Michael wütend die meiste Laufzeit damit, Kennzeichen zu notieren und die Falschparker der Gerechtigkeit zuzuführen. Der Erfolg der sportlichen Betätigung blieb dabei allerdings buchstäblich auf der Strecke. Inzwischen lässt der Hobby-Sportler Stift und Papier daheim und betrachtet die Blechhindernisse als sportliche Hürde.
Michael weicht auf seinem Morgenlauf keinem falsch geparkten motorisierten Statussymbol mehr aus, sondern überwindet es einfach im Laufschritt. Dabei hat er besondere Anlauftechniken für Modelle mit Fließheck und Kombis. Besondere Schwierigkeiten bereiten ihm allerdings Kleinbusse, die er nur im federnden Absprung vom Dach eines Personenwagens zu erklimmen in der Lage ist.
Abschlepp- und Krankenwagen geht er ebenso aus dem Weg wie Müllfahrzeugen.
Als er neulich aber mit dem rechten Fuß an dem Blaulicht eines grün-weiß lackierten Personenwagens hängen blieb und dabei abstürzte, wurde sein Hindernislauf amtsbekannt. Wegen Sachbeschädigung zitierte ihn die Staatsanwaltschaft vor den Kadi. Michael indessen wies jede Beschädigungsabsicht von sich. Die Steifigkeit des Motorhaubenbleches lasse ein kurzzeitiges Betreten ohne Schaden zu, ließ er sich ein, und Dellen auf dem Dach ergäben zwar ein sanftes "Blopp", das nach der läuferischen Gewichtsverlagerung durch ein ausbeulendes "Blupp" ersetzt werde, sodass keine Beschädigungen eingetreten seien.
Das Gericht konnte der Schilderung nichts entgegensetzen und sprach Michael frei. Nach der Urteilsverkündung lobte der Sportler besonders die meist federnde Stoffbespannung von vorübergehend geschlossenen Cabrios als lauf-stimulierend und kündigte noch für die gleiche Woche die Gründung eines Clubs zum Car-Walking an. Sport macht nämlich erst Spaß im Verein ...
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.