Geld allein macht nicht glücklich. Und wer steht schon gerne vor der Entscheidung, ob die nächste Anschaffung ein Hubschrauber, eine Yacht oder der zweite Rolls Royce werden soll.
M. Graf von H. entschied sich für die letztere Alternative als Geburtstagspräsent für seine einst dem bürgerlichen Stand angehörende Gattin. Wohlweislich ohne Chauffeur, denn Maximilian kennt seine Sabine als straßenverkehrsgewohnte Amazone, die den 326 PS lieber selbst die Sporen gibt und nach 7,5 Sekunden bei Tempo 100 in märchenhafter Autowelt dahinschwebt.
Trotz Sabines fahrerischer Zurückhaltung war sie dennoch mit 180 statt erlaubter 100 auf der Landstraße unterwegs. Und so legte sich der Schatten des knapp sechs Meter langen, zwei Meter breiten und gut 1,50 Meter hohen Gefährtes majestätisch über ein am Straßenrand installiertes mobiles Geschwindigkeitsmessgerät. Ängstlich löste es ein rotes Signal aus und rief dadurch Polizeibeamte auf den Plan.
Die staatliche Ordnungsmacht reagierte vor Ort viel zu langsam, denn der britische Nobelstraßenkreuzer mit dem steil aufragenden Kühler legt bei entsprechender Gasfuß-Stellung immerhin 230 Kilometer in der Stunde zurück und schoss an den aufgeschreckten Polizisten ungehindert vorbei.
Gräfin Sabine indessen zeigte sich einige Tage später über persönliche Post aus der Polizeidirektion überrascht
und ließ ihre Anwälte unwirsch auf die bürgerlich-stattliche Bußgeldforderung und einen Monat automobiler Beschränkung reagieren. Immerhin handele es sich, so die Anwälte, bei einem Fahrzeug wie dem ihrer Mandantin nicht um einen -pardon- Golf oder ein ähnliches Modell der in den unteren Bevölkerungsschichten beliebten Automobile. Das britische Topmodell biete ausgezeichnete Sicherheitsvorkehrungen für unliebsame Ereignisse im Straßenverkehr und schütze durch seine, einer rollenden Suite ähnelnden, feudale Inneneinrichtung jederzeit die Fahrgäste. Außerdem seien kleinbürgerliche Geschwindigkeitsbegrenzungen mit einem Fahrzeug dieser Klasse leicht zu übersehen und deren auch unbeabsichtigte Überschreitung so gut wie nicht zu bemerken. Kurz und gut: Ein Rolls Royce sei von einem "normalen" Auto so weit entfernt, wie die Sonne von der Erde und beanspruche Dispens von normalbürgerlichem Gesetzesdenken.
In letzter Instanz verurteilten die Richter Gräfin Sabine zu Geldbuße und Fahrverbot. Aber Adel verpflichtet: Sabine beschäftigt nun einen Chauffeur - sogar nach Feierabend in seiner Dienstwohnung. M. Graf von H. beschäftigt unterdessen seine Scheidungsanwälte ...
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.