Goldgelb gebacken, kross und raffiniert gewürzt: Ein Glücksfall für den Gaumenfreund. So zubereitet genossen schon Wilhelm Buschs Zöglinge Max und Moritz unrechtmäßig zugeeignetes Geflügel.
Herbert K. aus P. hingegen meuchelte Federvieh auf eine höchst ungewöhnliche Art. Er beteuerte jedoch, sein Verhalten nicht als Mordanschlag auf 143 Hühner geplant zu haben. Vielmehr sei ihm eine Tötungsabsicht nicht einmal in den Sinn gekommen.
Er parkte ahnungslos vor einer einsam gelegenen Hühnerfarm, weil sein Mobiltelefon klingelte. Es handelte sich bei der Anruferin um K.s Ehefrau Heike, die ihm erstmals ihre Trennungsabsichten offerierte. K. war durch das Telefonat so verwirrt, dass er frische Luft benötigte. Er verließ sein Auto und warf wegen seiner "emporgekochten Emotionen heftig die Autotür zu".
Nun sind moderne Fahrzeuge zwar mit umfangreichen Dämpfungsmechanismen zur Lärmvermeidung versehen. Trotzdem, so schilderte K. bei seiner polizeilichen Anhörung, "erschütterte die Nachricht seiner Frau ihn sehr heftig", sodass er vor Wut die Tür seines Autos mit "einiger Wucht" ins Schloss fallen ließ. Die Folgen seiner Unbeherrschtheit waren fatal und kosteten 143 Hühner das Leben. Sie erschraken über den plötzlich und explosionsartig auftretenden Lärm derart heftig, dass sie verendeten.
Züchter Guiseppe Z. ist besonders erzürnt darüber, weil es sich um eine Hybriden-Hühnerrasse aus Italien handelt, die sowohl in der Erzeugung von Nachwuchs mit hoher Fleischleistung, als auch in der Legeeifrigkeit kaum zu schlagen war. Besonders seine Hähne gingen auch nach der 12. Henne unerschrocken zur 13. über, wenn - ja wenn sich Heike K. entschieden hätte, bei ihrem Mann zu bleiben.
Neben seinem Ehescheidungsverfahren hatte Herbert K. nun noch den Schadenersatzprozess des Hühnerzüchters am Hals, der Ersatz in Geld für seine Hochleistungshähne und gefiederten Legemaschinen forderte. Höchstrichterlich wurde ihm allerdings bestätigt, dass er mit dieser "übertriebenen Reaktion" der künftigen Braten nicht hätte rechnen müssen und verschonte ihn damit von der Schadenersatzpflicht.
Ob sich die Begattungsfrequenz italienischer Hähne mit der ihrer menschlichen Kollegen vergleichen lasse und Heike K. demnächst nach Rom übersiedelt, ist nicht überliefert ...
Ähnlichkeiten mit aktuellen oder vergangenen Rechtsfällen sind nicht nur möglich, sondern ausdrücklich beabsichtigt.